Merken ja, zurücklesen nein
Die Schwachstelle eines Bildschirmgedächtnisses sind nicht nur die Daten. Es ist der Weg zurück hinein. So ist DejaVu gebaut: Das Merken braucht nichts von dir, das Zurückblicken braucht dich – und Löschen löscht wirklich.
Kurz gesagt
- Der Schlüssel, der dein Gedächtnis öffnet, wird von der Secure Enclave deines Mac geschützt und nur mit Touch ID verwendet (oder mit deinem Passwort, je nach gewählter Stufe).
- Der Teil von DejaVu, der sich merkt, besitzt nur einen öffentlichen Schlüssel – genug zum Verschlüsseln, nie genug, um die Vergangenheit zu lesen.
- Jeder Tag hat seinen eigenen Schlüssel. Wer einen Tag löscht, vernichtet seinen Schlüssel: Bilder, Text und Suchindex werden gemeinsam unlesbar, selbst in einer alten Kopie.
2024 hat die erste Vorschau von Microsoft Recall der ganzen Branche eine Lektion erteilt: Gesammelte Bildschirminhalte zu verschlüsseln reicht nicht, wenn jedes Programm, das unter deinem Benutzer läuft, sie wieder auslesen kann. DejaVu ist um diese Lektion herum entworfen. Dieser Beitrag erklärt, wie – ohne Nebelkerzen und mit den Grenzen, die du unserer Meinung nach kennen solltest.
Zwei Aufgaben, zwei Arten von Schlüsseln
DejaVu erledigt zwei verschiedene Dinge, und die bekommen nicht dieselben Rechte.
Das Merken läuft den ganzen Tag im Hintergrund, ohne dich etwas zu fragen. Es muss dein Gedächtnis schreiben.
Das Zurückblicken – suchen, durch die Zeitleiste scrollen, einen Moment öffnen – passiert, wenn du es willst. Es muss dein Gedächtnis lesen.
Deshalb bekommt der Teil, der sich merkt, nur das, was er zum Verschlüsseln braucht: einen öffentlichen Schlüssel. Er kann neue Momente versiegeln, besitzt aber nichts, womit sich die Vergangenheit öffnen ließe. Software, die ihn ausspäht, fände keinen Weg, deinen Verlauf zu lesen.
Der Schlüssel im Chip
Der Schlüssel, der dein Gedächtnis lesen kann, liegt nie als Datei vor, die man kopieren könnte. Er ist mit einem Schlüssel umhüllt, der in der Secure Enclave deines Mac lebt, dem Sicherheitschip in Apple silicon. Dieser Schlüssel lässt sich weder exportieren noch auf einen anderen Computer kopieren, und um ihn zu nutzen, braucht es dich: Touch ID oder dein Passwort, je nach gewählter Stufe.
| Stufe | Wer dein Gedächtnis öffnen kann |
|---|---|
| Standard | Du, mit Touch ID – oder jeder, der das Passwort dieses Mac kennt |
| Streng | Nur ein registrierter Touch-ID-Fingerabdruck |
| DejaVu-Code | Touch ID und ein eigener Code für DejaVu |
Wir sagen es klar: Auf der Stufe „Standard“ öffnet auch das Passwort deines Mac dein Gedächtnis. Wenn jemand anderes es kennt, wähl „Streng“ oder „DejaVu-Code“.
Kurze Sitzungen
Wenn du dein Gedächtnis öffnest, bleibt es nicht offen. Es sperrt sich nach ein paar Minuten ohne Aktivität wieder, sobald dein Bildschirm gesperrt wird oder dein Mac in den Ruhezustand geht, und kurz nachdem du seine Fenster schließt. Touch ID vom Entsperren deines Mac wird nie wiederverwendet: Zum Öffnen deines Gedächtnisses wird jedes Mal neu gefragt. Beim Sperren werden die Schlüssel aus dem Arbeitsspeicher gelöscht und zwischengespeicherte Bilder verworfen.
Daran führt keine Hintertür vorbei: kein lokaler Server, keine Programmierschnittstelle, kein URL-Schema und kein Kurzbefehl, die dein Gedächtnis ohne Touch ID lesen.
Ein Schlüssel pro Tag – damit Löschen echt ist
Auf einer SSD ist eine gelöschte Datei nicht garantiert verschwunden: Kopien können an Stellen überleben, an die du nicht herankommst. Die einzige Löschung, auf die du dich verlassen kannst, ist die Vernichtung des Schlüssels.
Deshalb gibt DejaVu jedem Tag einen eigenen Schlüssel – und jedem 10-Minuten-Abschnitt an Bildern ebenfalls. Text und Suchindex liegen in einer verschlüsselten Datenbank pro Tag, Bilder in Segmenten, die Bild für Bild versiegelt sind. Wird ein Tag gelöscht – von dir oder weil er älter ist, als du behalten wolltest –, wird zuerst sein Schlüssel vernichtet. Bilder, Text und Index werden gemeinsam unlesbar, selbst in einer zuvor angelegten Kopie.
Innerhalb eines Tages bereinigt das Vergessen eines Moments auch den Suchindex. Was du gelöscht hast, lässt sich also auch per Suche nicht mehr finden.
Ein Ordner, den macOS schützt – außerhalb deiner Backups
Dein Gedächtnis liegt im eigenen Container von DejaVu, von dem macOS andere Apps fernhält. Das ist die zweite Barriere, nicht die erste: Die erste ist die Verschlüsselung. Der Ordner ist außerdem von Time Machine und von Spotlight ausgeschlossen, sodass weder ein altes Backup noch eine Systemsuche etwas zurückbringt.
Nichts zu senden, nichts gesendet
DejaVu hat keinen Account, keine Cloud und keine Analysetools. Es nutzt nie das Mikrofon oder den Systemton und speichert nie, was du tippst. Deine Erinnerungen verlassen deinen Mac nie.
Wovor DejaVu dich nicht schützen kann
Das sagen wir lieber gleich, statt dass du es selbst herausfindest:
- Wenn dich jemand zwingt, deinen Finger aufzulegen, sieht er dein Gedächtnis. Wenn das für dich ein Risiko ist, behalte weniger.
- Schadsoftware, die bereits läuft, während du zurückblickst, könnte sehen, was auf deinem Bildschirm ist – so wie sie deinen Bildschirm ohnehin sehen könnte.
- Was du exportierst, ist nicht mehr durch den Chip deines Mac geschützt. Bewahre Exporte an einem sicheren Ort auf.
- Ein Angreifer mit voller Kontrolle über macOS, dessen Schutzmechanismen abgeschaltet sind, kann alles.
Wenn du sehen willst, wie andere Apps dieselben Fragen beantworten, geht unsere Datenschutz-Checkliste für Bildschirmgedächtnisse sie einzeln mit dir durch.
Fragen
Kann jemand, der das Passwort meines Mac kennt, mein DejaVu-Gedächtnis öffnen?
Auf der Stufe „Standard“ ja – wie bei den meisten Mac-Apps, die Touch ID mit einem Passwort als Ausweichlösung nutzen. Wähl „Streng“ (nur Touch ID) oder „DejaVu-Code“ (Touch ID plus ein eigener Code), wenn jemand anderes dein Passwort kennt.
Was passiert, wenn mein Mac gestohlen wird?
Dein Gedächtnis ist verschlüsselt, und sein Schlüssel kann die Secure Enclave deines Mac nicht verlassen. Ohne deinen Finger – oder auf der Stufe „Standard“ ohne dein Passwort – lässt es sich nicht öffnen.
Was passiert, wenn ich einen neuen Mac bekomme?
Bei der Einrichtung bietet DejaVu einen Wiederherstellungsschlüssel an, den du dir notierst. Ohne ihn lässt sich ein Gedächtnis auf einem anderen Mac nicht öffnen – das ist der Preis für einen Schlüssel, der den Chip nie verlässt.
Ist mein Gedächtnis in meinen Time-Machine-Backups?
Nein. Der Ordner von DejaVu ist von Time Machine ausgeschlossen, damit ein altes Backup nichts zurückbringt, was du gelöscht hast.